Gespräch mit Attila Réti

Sehen Sie als ehemaliger Hochleistungssportler Gemeinsamkeiten zwischen dem Leistungssport und der Arbeit im Management?

Nun, da gibt es sehr viele Gemeinsamkeiten. Einerseits ist es die Freude an Disziplin und der Wille, sich selbst stets weiterzuentwickeln. Zum anderen muss man in beiden Bereichen die geforderte Leistung punktgenau und zu einem gesetzten Termin abliefern. Eine zweite Chance gibt es meist nicht.

Welche Probleme und Entwicklungsfelder sehen Sie im Management?

Die Arbeitsschwerpunkte im Management sind sehr vielfaltig. Allerdings treten immer wieder verschiedene Grundmuster auf. In der heutigen Zeit sind wir zunehmend immer mehr Druck ausgesetzt. Die Leistungs- erwartung wird stetig höher. Wir sollen immer mehr in kürzerer Zeit schaffen. Viele Führungskräfte vergessen hierbei das Selbst- und Statemanagement, d.h. das Management des eigenen Zustands. Viele Manager vergessen ganz einfach, dass Sie selbst Mensch sind und Zeit für Reflexionen und auch Zeit zur Erholung und Entspannung brauchen.

Können Sie uns hierzu ein Beispiel geben?

Aber natürlich! Lassen Sie mich dies am Beispiel eines Spitzensportlers untermauern: Es gibt keinen Spitzensportler, der seine Erfolge auf ständiges Training und Arbeiten aufgebaut hat. Jeder Spitzensportler nimmt sich Ruhezeiten, um seine Ressourcen wieder aufzutanken. Führungskräfte nehmen sich kaum Zeit zur Reflexion und zur Entspannung, da sie glauben, dass dadurch wertvolle Zeit verloren geht. Meine Erfahrungen zeigen, dass kleine gezielte Einheiten ausreichen, um sein Selbst- und Statemanagement zu verbessern. Es sind die kleinen Dinge, die durch die kontinuierliche Umsetzung großen Erfolg bringen.

Herr Réti, Ihre Kunden schätzen Ihre Fähigkeit, die Körpersprache eines Menschen zu deuten. Woher kommt diese Fähigkeit?

Ich denke, dies liegt ein Stück weit an meiner Diversity. Ich habe sowohl wirtschaftswissenschaftliche als auch psychologische Ausbildungen und verfüge über langjährige Managementerfahrung. Außerdem war ich 10 Jahre als Hochleistungssportler und Mitglied der Kickbox-Nationalmannschaft aktiv. Mein Auge für den Körper meines Gegenübers habe ich während dieser Zeit durch die aktive Auseinandersetzung mit der Kampfkunst entwickelt.

Was bedeutet das?

In einem Kampf gewinnt nur derjenige, der die körperlichen Signale des Gegners rechtzeitig erkennt und richtige Schlüsse daraus ableitet. Dieses Auge habe ich aus meiner aktiven Zeit im Kampfsport entwickelt und stetig mit psychologischen Erkenntnissen und Erfahrungen aus dem Management kombiniert und weiterentwickelt.

Diese Fähigkeiten setze ich heute für meine Klienten gewinnbringend ein. Zu meinen Aufgaben gehört es, Muster (z.B. in der Körpersprache) sehr schnell zu erkennen. Erst wenn ich ein Muster erkannt habe, kann ich es meinen Klienten aufzeigen und erarbeiten, ob dieses Muster / Verhalten beibehalten, verändert, ergänzt oder aufgehoben werden soll.

Das hört sich sehr spannend an und setzt mit Sicherheit viel Vertrauen voraus?

Ein integerer und vertrauensvoller Umgang mit meinen Klienten ist mir und meinem Team sehr wichtig. Mindestens genau so wichtig ist uns der wertschätzende Umgang mit unseren Klienten und das Bemühen, dass wir die erarbeiteten Coachingziele in der gegebenen Zeit und in dem Tempo des Coachingnehmers stets nachhaltig zum Erfolg führen.

Ist es für Führungskräfte typisch, dass sie eigene Emotionen nicht nach außen tragen?

Top Manager haben es über die Jahre gelernt, Ihre Emotionen und Gedanken im beruflichen Kontext zu kontrollieren und diese nicht nach außen zu tragen. Allerdings ist es so, dass der Körper nicht nicht kommunizieren kann. Meine Aufgabe ist es oftmals, diese kleinsten Signale zu erkennen, diese mit meinen Coachingnehmern zu besprechen und dann auch wirklich an Themen zu arbeiten, die den Menschen bewegen. Gerade das schnelle Erkennen kleinster, körperlicher Signale ist ein wichtiger Bestandteil meiner Coachingerfolge.

Herr Réti, Sie sind bekannt für gründliche Planungen und zielgenaue Umsetzungen. Was bedeutet das?

Ich gehe sehr gerne analytisch an Aufgaben heran. Erst wenn ich gemeinsam mit dem Klienten den Weg und sämtliche Optionen betrachtet habe, legen wir los. Die Praxis zeigt, dass eine genaue Planung der praktischen Umsetzung viel Zeit spart. Man kommt wesentlich schneller ans Ziel. Dies liegt daran, dass in der Umsetzung nur noch leichte Kurskorrekturen vorgenommen werden müssen.

Was stört sie so richtig?

Es ist das ständige Gemecker über die hohen Steuern. Wir alle leben in einem Sozialstaat und sollten lieber wertschätzen, in welcher tollen Infrastruktur wir leben. Solange ein Mensch Steuern zahlt, weiß er oder das Unternehmen, dass Geld verdient wurde. Bildlich gesprochen heißt das: Wir alle haben eine Gans, die uns goldene Eier legt. Anstatt uns Strategien zu überlegen, wie wir die Gans auf Diät setzen können, sollten wir sie noch mehr pflegen und füttern, damit sie uns auch weiterhin viele goldene Eier legt …

Was machen Sie privat, Herr Réti? Wo tanken Sie Ihre Batterien auf?

Meine Frau und ich interessieren uns für die verschiedenen Kulturen und reisen sehr gerne. Ansonsten ist es so, dass mir meine Arbeit als Coach und Unternehmer sehr viel Freude bereitet. Ich lasse in jeden Lebenstag ein Stück weit das Gefühl des Urlaubs einfließen, indem ich z.B. ein spannendes Buch lese. Als ehemaliger Hochleistungssportler ist mir der Sport nach wie vor sehr wichtig. Es vergeht kein Tag, an dem ich meinen Körper nicht sportlich aktiviere.